Test: JBL 4306 Lautsprecher

JBL 4306 NewsViele erinnern sich sicherlich an JBLs HiFi-Möbel Paragon oder an die legendären Studio-Monitore Century L100 aus den siebziger Jahren. Viele Erinnerungen schweben um den Hersteller JBL, wenn es um Lautsprecher geht. Daran möchte die Harman Luxury Audio Group, zu den JBL mittlerweile gehört, jetzt anknüpfen und stellt eine Reihe neuer Monitor-Lautsprecher vor. Zu einer dieser Neuvorstellung zählt der JBL Studio-Monitor 4306, den wir nachfolgend genauer unter die Lupe nehmen werden.

 

 

JBLs Musikgeschichte ist reich an Höhepunkten. Alles begann 1940 mit James B. Lansing und dem Bestreben, Musikprofis und Konsumenten stets ein bestmögliches Audioerlebnis zu bieten. Wo in den 1950igern legendäre Innovationen wie die Hartsfield- oder Paragon-Lautsprecher das Licht der Welt erblickten, war die Hochzeit des Audiospezialisten zwischen 1970 und 1990. Studio-Monitore wie der legendäre Dreiwege-Regallautsprecher L100 von 1970, welcher die Heimvariante des weit verbreiteten JBL 4310 Pro Studio Monitor darstellte oder aber auch Modellen wie der 4310 waren damals aus dem HiFi-Bereich nicht wegzudenken und sind heute im guten Zustand bereits begehrte und teure Sammlerstücke.

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In den letzten Jahren ist es um den Hersteller im Bereich HiFi etwas ruhiger geworden, viel Fokus lag auf Projekten wir dem Array Lautsprechersystem für Konzerthallen, Sportstadien etc. und im mobilen Lautsprecherbereich. Zumindest was die Präsenz innerhalb unser Ländergrenzen betrifft. Bei JBL wurden weiterhin Studio-Monitore und große HiFi-Modelle (Everest) produziert, nur waren diese hierzulande nicht so erfolgreich bzw. kann man aktuelle Modelle kaum bei uns beziehen. Das möchte man aber in naher Zukunft ändern, die Harman Luxury Audio Group hat unter dem Brand JBL einige neue Modelle angekündigt, darunter auch der L100 Classic oder der besagte JBL 4306 Studio-Monitor.

Der JBL 4306 ist technisch mit einem neuentwickelten 25mm Kompressionstreiber ausgestattet und für tiefere Frequenzen setzt man auf einen 200mm großen Tieftöner. Das alles in einem massiven Gehäuse mit etwas Retrocharme untergebracht. Bevor wir uns genauer dem Lautsprecher widmen, eine kurze Übersicht der technischen Ausstattung des Lautsprechers.

 

JBL 4306 - Technische Details

Bezeichnung

 JBL 4306

Preis 

  ~ 2100,- EUR Paarpreis 

Hersteller-Homepage

 www.jblsynthesis.com

Maße

278 x 460 x 300mm (Breite x Höhe x Tiefe) 

Gewicht

 12,0 Kg Stück

 Daten

Design

 2-Wege-System (Bassreflex)

Frequenzband

 50 Hz - 40.000 Hz

Impendanz

 6 Ohm 

Chassis 

 1 x 200mm Tiefmitteltöner
 1 x 25mm Aluminium-Magnesium Treiber

Übergangsfrequenz

 3200 Hz

Empfindlichkeit 

 89,0dB (2,83V/1m)


 

Detailansicht

Ja es ist ein JBL Lautsprecher (…) Das ist der erste Gedanke, der uns durch den Kopf schoss, nachdem wir den knapp 12 Kilogramm schweren Regallautsprecher aus seiner Umverpackung gewuchtet hatten. Das liegt hauptsächlich an der Design-Sprache des Lautsprechers, denn genau so könnte er auch in den siebziger Jahren vom Band gelaufen sein. Viel Holz, ein massives Auftreten mit einer typisch blauen Schallwand und einem Tieftöner mit weißen Zellstoffmembran, sind klare Erkennungszeichen einer vergangenen Lautsprecherepoche.

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Für die ansprechenden Optik ist hauptsächlich das Echtholz-Furnier in Walnuss verantwortlich, welches den den vorn sichtbaren Bereich umgibt. Dieses Furnier wurde exzellent auf dem massiven MDF-Gehäuse aufgebracht, an den Kanten perfekt umgelegt und hinterlässt einen rustikalen aber sehr wertigen Eindruck. Die Front setzt auf Farbe, so ist die Schallwand selbst in einem dunklen Blauton gehalten, welche eine leichte Struktur aufweist. In einem leicht glänzenden Blauton sind die Bassreflex-Öffnungen optisch von der Schallwand abgesetzt, fügen sich aber gut dem Erscheinungsbild. Zwischen beiden Ports sitzt nicht nur das schwarze Firmenemblem, sondern auch die Hochtonanpassung. Diese ermöglicht den Frequenzbereich im oberen Band sich seinen Bedürfnissen anzupassen, dafür kann dieser deutlich gedämpft aber auch minimal erhöht werden.

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Aber am meisten verkörpern die eingesetzten Schallwandler die JBL DNA. Für den Hochtonbereich kommt ein neu entwickelter Kompressionstreiber mit einer Größe von 25mm zum Einsatz, der eine Membran aus einer Leichtmetall Aluminium-Magnesium-Legierung besitzt. Dazu kommt ein Hornvorsatz aus Fiberglas und Composite-Material, welches neben der hohen Materialdichte auch für exzellente Steifigkeit bietet. Daraus resultieren sehr geringe Resonanzen und eine gleichmäßige Entwicklung der akustischen Energie des hochempfindlichen Treibers. 

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Beim Tieftöner setzt man bei der Membranausformung auf ungebleichten, reinen Zellstoff der besitzt mit einen Durchmesser von 8-Zoll bzw. 200 Millimeter daherkommt. Im Gegensatz zu den üblichen Gummisicken oder Aufhängungen der Membrane, wird die Zellstoffmembran beim Tieftöner an einem Akkordeon gefalteten Kreuz aufgehangen. Das soll einen akustischen Vorteil, aufgrund der der geringen Masse am Rande der Niederfrequenz-Wiedergabe erzeugen. Zusätzlich soll diese Art der „Sicke“ deutlich weniger von Wettereinflüssen wie UV-Strahlung, spröde oder anderweitig beeinflusst werden können, so jedenfalls behauptet es JBL.

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Das 2-Wege-System mit doppelten Bassreflexausgängen soll einen Frequenzgang von 50 – 40.000 Hertz ermöglichen, wobei die Hoch-Mitteltonsektion bei 3200 Hertz vom Tieftöner getrennt wird. Bei der Leistungsfähigkeit gibt JBL maximal 150 Watt RMS an und eine Empfindlichkeit von knapp 89dB, was den ausgewachsenen Regallautsprecher theoretisch sehr verstärkerfreundlich macht. Wie auch von älteren Modellen bekannt, ist die Rückseite der Studio-Monitore in einem schlichten schwarz gehalten, welches neben einem „Referenzschacht“ das einfach ausgeführte Anschlussterminal bereithält. Dieses kann Audiosignale über Bananenstecker oder über einfache Kabel empfangen. Bi-Amping bzw. Bi-Wiring ist aber nicht vorgesehen.

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Optik ist immer Ansichtssache, aber in unseren Augen ist das eben ein typischer JBL-Lautsprecher, der vielleicht nicht mehr so zweitgemäß daherkommt aber klar an glorreiche Tage erinnert und die Markenkennung mit Stolz trägt. Die Verarbeitung selbst ist sehr hochwertig, wenn auch einfach. Alles wirkt sehr „amerikanisch“, wenn wir das so sagen dürfen. Eben größer, auffälliger und eher grob im Design als filigran. Was ja nichts Schlechtes sein muss, wenn es einem gefällt. Aber in Zeiten von hellen, klaren und zurückhaltenden skandinavischen Einflüssen in der optischen Gestaltung, ist der 4306 Studio-Monitor ein klarer Poser unter den Lautsprechern. Wenn er diesen Look dann auch klanglich untermauern kann, wer will es ihm dann aber verdenken (…)


Klangcheck

Bei der Aufstellung entschieden wir uns für unsere vorhandenen Ständer aus dem Zubehörmarkt und winkelten die Lautsprecher nur minimal die Hörposition aus. Das ist aber nicht nötig, die Abstrahlcharakteristik erlaubt aber einem gewissen Abstand zwischen den Lautsprechern als auch eine gerade Ausrichtung. Hier gilt das Motto „Probieren geht über Studieren“. Für die Impulskraft war eine Onkyo M-5000R Endstufe zuständig, die mit einer Onkyo P-3000R Vorstufe verbunden war. Als Zuspieler diente ein ELAC Discovery Music Server. Dieser Griff auf eine NAS und der dort gespeicherten Musiksammlung im FLAC-Format zu. Interessant ist das Verhalten der JBL 4306, denn selbst an einer Denon CEOL N10 Anlage fühlten sich die Lautsprecher recht wohl, was im Umkehrschluss zeigt, wie effizient diese arbeiten. Aber kommen wir zu dem eigentlichen Part, dem Klang.

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Damit wir nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, fahren wir erstmal in ruhigen Gewässern was die Songauswahl betrifft. Mit einem eher ruhigen Stück vom Interpreten John Mayer und seinem Song Queen of California möchten wir mal beginnen - den 4306 gefällt diese Auswahl spürbar. Die Gitarrensounds wabbern schön ausdrucksstark für dem Hörer im Raum, die akustische Darbietung zeichnet sich durch einen sehr dynamischen Beat und klarer Stimmenverständlichkeit aus. Dabei löst sich der Künstler mit Leichtigkeit von der Schallwand, ist sehr präsent im Geschehen und die Monitore spielen sehr klar und detailliert die einzelnen Instrumente.  Die Anbindung der einzelnen Frequenzbereiche gelingt, beide Schallwandler agieren zusammen sehr homogen und erschaffen eine wunderbar musikalische Atmosphäre. Die 4306 servieren keine Klangsuppe, eher bekommen wir einen gut sortierten Teller mit vielen einzelnen Leckerbissen zu Hören.

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Dann geht es mit Use me von Vanessa Fernadez weiter. Es ist wirklich unglaublich, wie körperhaft die doch kompakten Lautsprecher aufspielen. Die Bongos am Anfang sind klar konturiert in ihrer Darstellung, sitzen zeitlich wie auch von ihrer Anordnung gut im Bühnenbild, welches klar differenziert abgebildet wird. Mit dem Einsetzen der Künstlerin zeigen die JBL auch wie gut sie es verstehen, Stimmen in Szene zu setzen und eine ernsthafte Interpretation dem Hörer zu präsentieren. Das ist echt ganz großen Kino. Die Sängerin wird sehr fein herausgearbeitet und mit einer klaren Stimme versehen, dazu kommt eine stimmige Gitarrenbegleitung, wo die Lautsprecher auch das leichte Gezupfe hörbar machen. Alles mündet in einem sehr dynamischen und wirklich schönen Klangbild, das wir schnippend im Redaktionsraum saßen (…) 

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Mit Metallica und Creeping death wird es jetzt stürmisch und wir drehen den Lautstärkeregler Richtung Anschlag und es rappelt in den Redaktionsräumen. Sicherlich ist es schwierig die richtigen Worte zu finden, wenn der Kopf ständig maximalen G-Kräften ausgesetzt ist. Aber die enormen Pegelmöglichkeiten sind phänomenal und man kann ja gar nicht anders. Die kleinen "Rocken" als gebe es kein Morgen, bleiben dabei aber immer auf dem Boden der Tatsachen. Das äußert sich in klaren Strukturen innerhalb des Songs, jede Intrumentenebene wird abgebildet, die Stimme von James Hetfield liegt gekonnt drüber. Dynamik oder Bass sind den Kompaktlautsprechern auch kein Fremdwort, gerade der Tieftonanteil wird ansprechend vom Treiber genährt und besitzt ein kontrolliertes Volumen. Eine komplette Vorstellung am Rande des Tinnitus, denn Pegel können und mögen die JBL.

Zusammenfassend können wir den JBL 4306 ein sehr gutes Verständnis für Timing und feinen Details attestieren, welches von einem sehr straffen und kraftvollen Bassbereich abgerundet wird. Egal welches Genre man den 4306 zufüttert, die einzelnen Elemente wurden immer klar herausgearbeitet, dabei aber nicht übertrieben analytisch sondern sehr gekonnt und eben musikalisch interpretiert. Gerade die Stimmenwiedergabe hat es uns besonders angetan. Diese war sehr klar und gut vor dem Lautsprecher positioniert und enthielt jede feine Nuancen, die nötig sind um zu transportieren, was der Künstler mit seinem Song erreichen wollte. Dabei spielt es keine Rolle ob gefühlvolle Emotionen oder kräftige Passagen den Song bestimmen, die JBL hatten immer die richtige Intonation parat. Kommen wir zum Fazit.


 

Fazit:

Der Klangcheck hat es bewiesen, die JBL 4306 sind keine Poser, sondern ernsthafte Lautsprecher mit einem Design, welches aktuell eher als Alleinstellungsmerkmal gelten dürfte. Aber man soll ja nicht oberflächlich sein und die 4306 haben ja auch starke innere Werte. Das fängt bei dem erstklassig verarbeiteten Gehäuse an, welches ein massives Konstrukt stellt und mit einem hochwertigen Echtholz-Furnier verzieht wurde. Die farblichen Akzente in der Front heben sich vom üblichen cleanen Look anderer Marken gekonnt ab und zeugen von Selbstbewusstsein, spiegeln aber auch in perfekter Form das Brand JBL wieder. Auch die beiliegenden Frontblenden sind von hoher Qualität, haften aber über übliche Kunststoffnasen.

Technisch geht JBL mit den 4306 auch einen etwas anderen Weg. So setzt man für den Mittel- und Hochtonbereich ein Horn ein, welches von einem neuentwickelten 25mm Kompressionstreiber mit Schall versorgt wird. Dazu kommt ein Tieftöner mit viel Membranfläche und steifer Aufhängung. Das alles mündet in einem erstklassigen Klangbild, welches sich mit vielen Tugenden schmücken kann. Darunter verstehen wir Eigenschaften wie viel Liebe zum Detail, Präsenz und klare Abbildung in der Stimmenwiedergabe, gute Staffelung im Bühnenbild und abschließend ist noch der knackige und zeitlich korrekt arbeitende Tieftonbereich zu nennen. Und das können die eigentlich in die Kategorie Regallautsprecher gehörenden 4306 auch mit richtig Dampf, denn die fahrbaren Pegelmöglichkeiten der „Kleinen“ sind beachtlich. Wir zücken daher unsere Top-Produkt-Auszeichnung.

Alles in Allem ein rundes Gesamtpaket, mit einer vielleicht etwas eigenwilliger Optik aber überzeugender Klangkulisse. Die UVP liegt bei 2100,- EUR für das Paar JBL 4306, was recht hoch angesetzt erscheint, aber aufgrund der klanglichen Performance und Qualität der Lautsprecher noch in einem vertretbaren Rahmen bleibt. Die Lautsprecher sollen in Kürze auch im Fachhandel verfügbar sein.  

 

 

 

JBL 4306 - Studio-Monitor Lautsprecher 
massiver Vertreter der Regallautsprecher Zunft mit einem großartigen Verständnis für Musik - 05.11.2018

 
   Lautsprecher-Testberichte  Hersteller-Homepage  
 
         
   Pro  Contra    
  + Designumsetzung 
+ wertige Verarbeitung
+ massives Gehäuse 
+ Hochtonanpassung
+ überzeugendes Klangbild
+ akzentuierter Hoch-Mitteltonbereich
+ straffer und kraftvoller Bassbereich
+ maximaler Pegel
+ Verstärkerfreundlich 

- Design nicht ganz zeitgemäß (Geschmackssache)
- einfaches Anschlussterminal
- Schrauben in der Front bei unserem Modell minimal versetzt






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